FLX1 - Erfahrungsbericht nach 2 Jahren
Ich nutze seit gut zwei Jahren ein Linux-Smartphone von FuriLabs, erst das FLX1, inzwischen das FLX1s. Das ist genügend Zeit, um mal wieder einen Blogpost zu schreiben.
FuriLabs hat Ende 2025 das FLX1s veröffentlicht und damit ein Linux-Smartphone auf den Markt gebracht, das sich endlich wie ein normales Smartphone anfühlt und auch in meinem Umfeld zum ersten Mal ein „Oh, das ist ja cool“ auslöste. Das Image der Linux-Smartphones – zu klobig, zu schwer, katastrophale Akkulaufzeit, langsam, verbuggt und damit nahezu unbenutzbar – ist damit eigentlich vom Tisch. Oder nicht?
Die Wahrheit ist: Ganz vom Tisch ist es noch nicht. Ich habe mir inzwischen einige Patches mit KI selbst gebaut, damit sich das Smartphone so verhält, wie ich es erwarte – das ist aber keinem normalen Nutzer zuzumuten. Diese Patches sollten idealerweise schon von Haus aus ausgeliefert werden. Da stehe auch ich in der Pflicht, die Lösungen den einzelnen Projekten zu melden. Nur allein die Zeit …
Probleme
An dieser Stelle möchte ich direkt darauf hinweisen, dass ich die Android-Implementierung nicht nutze. Ich habe alles in meinem Leben so umgestellt, dass ich es über normale Webseiten, also als Web-App, erledigen kann. Zur Android-Umgebung kann ich daher nichts sagen – diesen Zwang habe ich nicht.
Modem
Es gab einige Änderungen seitens FuriLabs, allerdings bei Weitem nicht so, wie man es sich wünschen würde. Seit gut zwei Jahren spült mir die Modemverbindung das Journal mit Fehlermeldungen voll, und zuletzt war die Verbindung immer wieder unterbrochen und konnte sich erst nach einem Neustart wieder aufbauen. Das passende Support-Ticket wurde nach Monaten nicht beantwortet.
Mein aktueller Fix beschränkt die Mobilfunkverbindung bewusst auf 4G. Dadurch entfällt das ständige Wechseln bzw. Neuaufbauen der Verbindung, und der Modem-Stack arbeitet bei mir deutlich stabiler. Gleichzeitig ist der Energieverbrauch des Modems dadurch deutlich geringer. Das Ergebnis ist eine zuverlässige Datenverbindung und eine spürbar längere Akkulaufzeit. Ein eigener Watcher switched die Verbindung so, dass immer eine Datenverbindung hergestellt wird, wenn es denn eine gibt. [1]
Das Thema 5G müsste ich noch einmal in Ruhe angehen, ist für mich in diesem Moment aber eher sekundär. Für meinen täglichen Einsatz ist eine stabile 4G-Verbindung wichtiger als die theoretisch höhere Geschwindigkeit von 5G.
Bluetooth
Bluetooth hat in der ganzen Zeit gefühlt nur wenig Entwicklung erfahren. Das liegt unter anderem sicherlich auch daran, dass die PulseAudio-Implementierung grundsätzlich etwas in die Jahre gekommen ist und PipeWire funktional die bessere Entscheidung wäre.
Auch hier ist ein eigener Watcher am Werk, der dafür sorgt die unterschiedlichen Devices/Codecs so zu switchen, dass die benötigte Verbindung zuverlässig aufgebaut wird. Das ermöglicht mir Zwischen den Ein- und Ausgängen des Telefons, Headsets oder die des Autos bei Bedarf automatisch hin und her zu wechseln. [2]
Fazit
Das sind alle meine persönlichen „Daily-Driver“-Blocker, die bei der Auslieferung dabei sind. Sie erinnern mich im täglichen Umgang eben doch wieder daran, dass wir mit einem Linux-Telefon wohl noch einen längeren Weg vor uns haben.
FuriLabs sind keine 24/7-Tech-Bros, die versuchen, ihre erste Milliarde zu machen, sondern Nerds, die versuchen, mit ihrem Wissen nebenbei etwas auf die Beine zu stellen. Ich habe daher viel Verständnis dafür, wenn sich Dinge nicht so entwickeln, wie man es sich selbst wünscht. Aber dass diese Bugs auf dem Smartphone seit Jahren nicht behoben werden, ist wirklich ärgerlich.
Zusammen mit Claude AI habe ich mir eine PipeWire-Implementierung für den Sound-Stack und die Anbindung von Bluetooth erstellen lassen, die das Problem für mich behebt: Ich kann jetzt über Bluetooth telefonieren, sowohl per Headset als auch über die Freisprecheinrichtung im Auto. [2]
Dazu hat Claude noch einige Bugs in der Implementierung des Modems gefunden und bei mir lokal behoben, damit sich der Modem-Stack endlich beruhigt und stabiler wird. [1] Als Goodie hat sich der Akkuverbrauch bei mir nochmals deutlich verringert. Im Idle liegt der Verbrauch inzwischen bei etwa 10 % in 7 Stunden.
Mein GPS-Python-Skript gibt bei Bedarf die GPS-Daten an das Projekt BeaconDB zusammen mit WLAN- und GPS-Daten weiter – damit das kein Alleinstellungsmerkmal der großen Konzerne bleibt! [3]
Damit sind bei mir die Hauptprobleme behoben und das Smartphone ist für mich uneingeschränkt nutzbar. Eine App, die alle Anpassungen bündelt und schaltbar macht, gibt es ebenfalls. [4]
Und was macht der Rest?
Das Smartphone ist jetzt erfreulich stabil und macht, was es soll, und dank der Patches kann ich die noch ausgelieferten Schwächen beheben.
Man nimmt hier und da kleinere Bugs oder eine fehlende Anpassung an mobile Bildschirme wahr, aber das behindert einen in der Regel nicht. Die Telefonie ist meistens problemlos möglich, Firefox browst schnell genug durchs Internet, die Kamera macht akzeptable Bilder und die Akkulaufzeit reicht meistens für einen Tag.
Wichtig ist allerdings zum Beispiel, sich von Banken zu trennen, mit denen man nur über entsprechende Apps von Google oder Apple arbeiten kann – das ist ohnehin keine gute Idee. Du musst dir neue Wege suchen, um dein bisher geführtes Leben an ein Linux-Smartphone anzupassen, und erstaunlich oft gibt es eine akzeptable Alternative.
Vor allem, wenn man von einem bisherigen Smartphone wechselt, hat man viele Abhängigkeiten. Egal ob WhatsApp, Signal oder Telegram – da muss man sich seine Lösung suchen, was auch bedeutet, anfangs einige Apps durchzuprobieren.
Bei den Musik-Apps habe ich aufgegeben und mir letztlich eine mit Claude erstellen lassen, die nun alles macht, was ich möchte. [5] Dasselbe gilt für meine eigene Galerie-App für Bilder und Videos. [6]
Wobei wir bei zwei grundsätzlichen Einschränkungen wären, die ein Linux-Smartphone in naher Zukunft wohl nicht lösen wird: kein NFC und damit schon mal gar keine Bezahlfunktion. Auch der ePass ist so out of the box nicht zu realisieren.
Es wäre wünschenswert, wenn NFC in den nächsten Modellen zur Verfügung stehen würde, damit man NFC langsam, aber sicher einführen kann.
Bei all den Schatten, die bei einem Linux-Smartphone da sind bzw. für mich da waren: Das FLX1 macht, was es tun soll, und das ist schon ziemlich cool. Ich mag das FLX1 und bin wirklich dankbar, dass es da ist!
Wenn man es schafft, die Probleme schon bei der Auslieferung zu beheben, dann würde ich sagen, dass das FuriLabs FLX1s+ das erste Linux-Smartphone ist, welches als Daily Driver auch für weniger erfahrene Linux-User wärmstens zu empfehlen ist.
Gibt es weitere Alternativen?
Wer sich bei dem Thema weiter umschauen möchte, kann sich die Projekte PostmarketOS, UbuntuOS und Droidian anschauen.
Projekte wie PinePhone und Librem 5 sind Vorläufer und aus heutiger Sicht eher schwach aufgestellt, haben aber definitiv ihren Reiz, da dort versucht wird, größtmögliche Offenheit zu leben. Und das kann weiterhin ein schweres und valides Argument sein.
Fazit
Dieses Mal in ganz kurz: E.N.D.L.I.C.H.