FLX1s – Erfahrungsbericht und Vergleich zum FLX1
Dieser Erfahrungsbericht richtet sich vor allem an Linux-Enthusiasten, privacy-orientierte Nutzer und Early Adopter, die ein möglichst offenes Linux-Smartphone als Daily Driver in Betracht ziehen.
Das FLX1s ist als Ersatz für das vorherige FLX1 gedacht. Das FLX1 basierte auf einem bereits existierenden Smartphone eines OEM-Herstellers und wurde offenbar nicht weiter produziert, sodass für die weiterhin bestehenden Anfragen bei Furi Labs ein neues Modell notwendig wurde.
Das FLX1s ist aktuell im Sale inklusive Schutzhülle und Displayschutz erhältlich. Wer Interesse an einem Linux-Smartphone hat, sollte sich dieses Angebot nicht entgehen lassen: FLX1s im Shop
Hardware-Unterschiede
Beide Geräte basieren auf dem gleichen SoC, dem MediaTek Dimensity 900, und verfügen über 128 GB internen Speicher sowie einen Assistant-Button. Dies sind auch die einzigen Punkte, in denen sich FLX1 und FLX1s gleichen.
Das FLX1s bietet 2 GB mehr Arbeitsspeicher und kommt damit auf insgesamt 8 GB RAM (plus 4 GB vorkonfigurierten Swap bzw. RAM-Disk). Zusätzlich befinden sich auf der rechten Seite drei neue Hardware-Knöpfe, die als Kill-Switches für Kamera, WiFi/Bluetooth und Mikrofon dienen.
Derzeit fehlt im UI jedoch eine eindeutige Rückmeldung, ob ein Kill-Switch tatsächlich aktiv ist. Die Funktion wirkt daher noch unreif und wenig vertrauenswürdig. Hier besteht klarer Verbesserungsbedarf seitens FuriLabs. Wer sich fragt ob es sich dabei um ein Hardware oder Software-Kill-Switch handelt, es ist per Software.
Kurzer Vergleich: FLX1 vs. FLX1s
| Merkmal | FLX1 | FLX1s |
|---|---|---|
| SoC | MediaTek Dimensity 900 | MediaTek Dimensity 900 |
| RAM | 6 GB | 8 GB |
| Interner Speicher | 128 GB | 128 GB |
| Display | 1080 × 2412 | 720 × 1600 (heller) |
| Gewicht | 282 g | 200 g (leichter) |
| Kamera | 50 MP | 20 MP (schwächer) |
| Kill-Switches | Nein | Ja (Kamera, Funk, Mikro) |
| 3,5-mm-Klinke | Ja | Nein |
| NFC | Vorhanden (nicht nutzbar) | Nein |
| Akku tauschbar | Ja | Nein |
| Qi-Laden | Ja | Nein |
Kamera
Die Kamera des FLX1s fällt insgesamt schlechter aus als die des FLX1. Hauptgrund ist die deutlich geringere Auflösung der Frontkamera (20 MP statt 50 MP). Für gelegentliche Schnappschüsse reicht die Qualität aus, ambitionierte Nutzer müssen jedoch weitere Abstriche machen.
Display & Touchscreen
Das Display des FLX1s besitzt eine geringere Auflösung als das des FLX1 (720 × 1600 statt 1080 × 2412), ist dafür aber spürbar heller. Gerade im Außeneinsatz ist dies ein klarer Vorteil.
Problematisch ist hingegen der Touchscreen: Eingaben werden teilweise nicht zuverlässig erkannt, sodass mehrfaches Antippen notwendig ist. Besonders störend ist dies bei der Passworteingabe beim Booten zur Entschlüsselung der Partitionen. Nach aktuellem Stand deutet vieles auf ein Firmware- bzw. Treiberproblem hin, das sich hoffentlich per Update beheben lässt. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass es sich in meinem Fall um einen Hardwaredefekt handelt.
Was fehlt
Im Vergleich zum FLX1 entfallen beim FLX1s die 3,5-mm-Klinke, NFC (welches beim Vorgänger ohnehin nie funktionierte) sowie ein IP-Wasserschutzstandard. Diese Punkte sind zwar bedauerlich, stellen aktuell jedoch keinen ausschlaggebenden Faktor für oder gegen das Gerät dar.
Deutlich ärgerlicher ist der nicht austauschbare Akku. Auch das fehlende Qi-Laden dürfte für einige Nutzer mitunter ein Nachteil sein.
Gewicht & Abmessungen
Das FLX1s ist rund 80 g leichter und insgesamt kompakter als sein Vorgänger. In der täglichen Nutzung macht sich das deutlich bemerkbar und stellt einen erheblichen Komfortgewinn dar – einer der größten Pluspunkte des Geräts.
Mir bekannte Probleme (Stand: aktuell)
- FLX1/FLX1s: Wechsel zwischen Netzwerken (Probleme bei Reconnect/Wechsel)
- FLX1/FLX1s: Bluetooth via PulseAudio (Probleme beim Reconnect + Kein Pipewire)
- FLX1s: Unzuverlässiger Touchscreen
- FLX1s: Kill-Switches ohne klare visuelle Rückmeldung im System
- FLX1s: Keine Notification LED
- FLX1s: Telefonie sehr instabil
- FLX1s: Akkuverbrauch höher als beim FLX1
Unglücklich umgesetzte Details
Die Kamera ist einseitig auf der Rückseite angebracht. Liegt das Smartphone auf einem Tisch, wackelt es beim Tippen spürbar. Eine mittige Platzierung – etwa wie bei der Pixel-Serie – wäre hier deutlich sinnvoller gewesen.
Auch die Kill-Switches selbst sind ergonomisch ungünstig umgesetzt. Sie lassen sich selbst mit Fingernagel nur schwer betätigen. Beim Librem 5 wurde dieses Konzept dezenter und haptisch zuverlässiger gelöst.
Fazit
Das FLX1s bringt gegenüber dem FLX1 zwar einige Rückschritte mit sich, allerdings keine, die im aktuellen Reifegrad von Linux-Smartphones wirklich schwer wiegen. Die kompakteren Abmessungen und das deutlich geringere Gewicht sorgen im Alltag für einen spürbaren Komfortgewinn. Gleichzeitig ist die Verarbeitungsqualität etwas schlechter als beim Vorgänger. Bis das FLX1s auf dem Niveau wie das FLX1 ist, wird es allerdings noch einige Wochen dauern.
Unterm Strich gilt
Wer bereits ein FLX1 besitzt und mit Größe sowie Gewicht zufrieden ist, hat derzeit kaum Gründe für den Kauf des FLX1s. Neueinsteiger hingegen erhalten mit dem FLX1s ein handlicheres Linux-Smartphone, das sich – trotz vorhandener Schwächen – als Daily Driver eignet und aktuell weiterhin zu den besten Linux-Smartphones gehört.