Dienstag, 22 Mai, 2018

In Zeiten in denen man keinem Computer trauen kann, fällt es schwer ein Betriebssystem für sein Smartphones auszuwählen. Apple, Microsoft oder Google sind alles Firmen, die aktiv die Nutzer analysieren und Daten an die Geheimdienste oder Werbetreibenden weitergeben. Es gibt aber Alternativen, wie z.B. FireFoxOS, Jolla und Ubuntu Touch.

Nach einer langen Odyssee mit FireFoxOS 1.1 bis 1.4 habe ich mich entschlossen Ubuntu Touch zu testen. Canonical ist sicherlich keine Firma die man mögen muss, da sie nun mal Kommerziell ist und durchaus auch so handelt. Ich habe momentan die Hoffnung das die Community da aufpasst und Mitsprache einfordern wird. Nun denn, wollen wir das Beste hoffen...

Ich hatte mich vorab über die Kompatibilität von einige Geräten informiert. Das Nexus 4, Nexus 7 2013 (nur WiFi) und Nexus 10 werden momentan offiziell unterstützt. Für anderen Geräten gibt es einige Entwickler die Images bereitstellen, allerdings haben sie meist noch zusätzliche Fehler. Ich habe mich schliesslich für ein Nexus 4 mit 16GB entschieden, diese gibt es Gebraucht schon ab 150 Euro. Installiert habe ich das devel-proposed Image, was momentan auf Ubuntu 15.04 basiert.


Hält es was es verspricht ?

Ein ganz klares, Nein. Der jetzige Entwicklungstand ist weit hinter den Erwartungen, dass erklärt auch das stetige Verschieben des Ubuntu-Phones. Es sind viele Baustellen mit vielen Fehlern und noch offenen Fragen. Was sich jetzt ernüchternd anhört, ist aber bei weitem nicht so dramatisch, da sich der jetzige Stand sehen lassen kann.

Die Funktionalität das man sein Smartphone auch als Desktop nutzen kann, wird zwar Entwickelt, im Fokus liegt aber primär die Nutzung als Smartphone und Tablet. Das Framework, was die Funktionalität anbieten soll, wird schon verwendet und damit wird das Feature wohl auch kommen.


Erstes Sichten

Bootvorgang

Der Bootvorgang ist mit rund 35 Sekunden (15Sek. Bootloader/20Sek. Ubuntu-Touch) erträglich und mit einem drehendes Ubuntu Logo, vollkommen unspektakulär

Sperrbildschirm

Ist das Ubuntu Touch gestartet, erscheint der (nicht) Sperrbildschirm. Er ist mir direkt übel aufgestossen, da dort gestartete Apps und Statusmeldungen einsehbar sind. Will man auf eine Nachricht antworten oder eine gestartet App öffnen, wird man zwar nach der PIN oder dem Passwort gefragt aber Informationen wie Provider, SMS, WLAN SSID usw. kann man dennoch entnehmen.

Diese Informationen auf dem Sperrbildschirm kann man in den Einstellungen unter "Sicherheit & Datenschutz" deaktivieren, dann verhält sich der Sperrbildschirm wie erwartet.

 

Nach der Anmeldung

In einigen Vorschauen war die Oberfläche in dem Ubuntu typischen Farben, dass ist momentan leider nicht mehr so. Es ist schlicht grau und kann nicht geändert werden - man kommt aber über diesen Schock nach einiger Zeit hinweg. Das Ubuntu Touch startet mit einer Oberfläche, welches erlaubt verschiedene Scopes z.B. für Youtube, Twitter, Musik und Videos einzubinden.

Scopes

Diese Scopes reihen sich horizontal rechts neben dem Hauptscope ein und können über ein Wisch nach links erreicht werden. Es ähnelt dem bekannten "Desktops", wo man etliche Widgets oder Icons ablegen kann, nur hier ist es eine komplette Applikation. Scopes können durch ein Wisch von unten hinzugefügt werden und über den Ubuntu-Store nachinstalliert werden. Das Hauptscope enthält die installierten Applikationen wie z.B. Telefon, Nachrichten Kamera und Browser. In dem Hauptscope ist auch das Icon zum Ubuntu-Store.

 

Bedienung

Mit einem Wisch von ganz links, öffnet sich der Launcher. Der Launcher ist mit ein paar Icons der Standard Applikationen bestückt und listet zusätzlich die gestarten Applikationen auf. Das Verhalten des Launchers ist wie auf einer Unity UI.

Ist eine Applikation geöffnet, kann man durch ein durchgezogenes Wischen von ganz Links, die Applikation in den Hintergund schieben. Ein Wisch von ganz rechts öffnet eine Taskübersicht, durch die man Blättern kann und bei Bedarf eine Applikation beendet, in dem man sie nach oben oder unten zieht oder einfach antippt, um die Anwendung zu öffnen

Die Statusleiste ist wie gewohnt oben angesiedelt und lässt sich nach unten ziehen. Man kann, wenn sie nicht ganz herunter gezogen wird, zwischen den Kategorien wie z.B. Netzwerk und Messages hin und her springen, in dem man nach recht oder links wischt. Viele Einstellungen und Funktionen lassen sich direkt darin nutzen, um z.B. auf SMS zu antworten.

Ein Feature finde ich persönlich genial, wenn man z.B. per Twitter einen Link im Browser öffnet, kann man durch ein schnelles Wischen von ganz rechts, zwischen den beiden Applikationen hin und her wechseln - Ähnlichem dem Applikationswechsel auf Desktopsystemen via Alt+Tab.

Die ganze Oberfläche läuft erstaunlich schnell und hat nur wenige Ruckler. Abstürze sind leider noch hier und da möglich, wobei diese spürbar weniger geworden sind.

Ich nutze das Ubuntu Touch seit rund 3 Monaten und bin mit dem Bedienkonzept sehr zufrieden. Es ist intuitiv, nachvollziehbar und flott.

 

Applikationen

Die Anzahl der verfügbaren Applikationen ist bei einer neuen Plattform erwartungsgemäß nicht sonderlich groß. Ich schätze sie mal auf rund 150 Applikationen. Alle für mich wirklich wichtigen Applikationen sind aber vorhanden, dazu zählen Telefon, Kontakte, Kalender, Email (dekko), Kamera, Galerie, Browser, Google Maps und OSM, RSS Reader, Konsole und ein FileManager und, was für mich das Interessanteste ist, ich kann alle meine Konsolen-Tools aus dem Ubuntu Repository einfach per Aptitude installieren.

Die Ladezeiten der Applikationen liegt bei rund 3-4 Sekunden. Das ist mir persönlich zu langsam und würde die ehmaligen Pläne, einen SSD-Chip im Smartphone zu verbauen, erklären.

Stromverbrauch

Der Stromverbrauch ist, wenn kein Fehler im Release ist, ordentlich. Eine Laufzeit bis zu 10 Stunden, bei einer mir normalen Nutzung, finde ich vollkommen in Ordnung. Es gab Releases und Tage, wo ich ohne Probleme über 16 Stunden gekommen bin. Im "Couch-Potato"-Modus, hat die Akku ganze zwei Tage gehalten. Ich denke, dass man da insgesamt auf dem richtigen Weg ist.

Fehler (im Release 40)

In der normalen Nutzung sind mir folgende Fehler aufgefallen: Das Netzwerk ist beim Wechsel zwischen UMTS und WiFi noch etwas wackelig, was aber schon insgesamt deutlich besser wurde. Manchmal muss man den Flugmodus aktivieren und wieder deaktivieren, damit eine Netzwerkverbindung hergestellt wird. Bezeichnung der Bluetooth Geräte erst nach der Anmeldung an diesem erkennbar.

Fazit

Ubuntu Touch hält noch nicht das was versprochen wurde. Die Entwicklung ist momentan sehr schnell und der jetzige Stand ist schon als Smartphone/Tablet Betriebssystem nutzbar. Das Konzept ist noch nicht Revolutionär aber es ist zeichnet sich ab, dass Ubuntu Touch in Zukunft ein ernst zu nehmende Alternative sein wird und Canonical ernsthaft gewillt ist das Versprochene umzusetzen. Wer Ubuntu Touch auf einem Nexus installieren möchte, für den habe ich eine kurze Anleitung veröffentlicht.